Franziska in Bolivien
Franziska in Bolivien

BILDER

Ostern

In Deutschland wird Ostern oftmals nur mit dem Osterhasen, den Ostereiern, der Osternestsuche und Süßigkeiten verbunden. Die wirkliche Bedeutung, die Auferstehung Jesu, gerät viel zu schnell ins Unwichtige. An Karfreitag wissen die Meisten, dass Feierverbot ist. Aber warum? Das wissen viele schon nicht mehr. Dass an diesem Tag Jesu Leidensweg ist und er gestorben ist, wird als Nebensache angesehen. Leider.
Dieses Jahr habe ich die Semana Santa – heilige Woche auf eine gleiche und doch so andere, intensive Art und Weise gefeiert. Angefangen hat es mit Palmsonntag. Wir sind gemeinsam in einer Prozession von dem Sportplatz über die Plaza in die Kirche gelaufen. Da es hier natürlich keine Palmbuschen gibt, hat jeder Blumen in die Hand bekommen. Normalerweise ist ein Esel mit einem kleinen Kind auf dem Rücken dabei, aber dieses Jahr hatte es die ganze Zeit geregnet. Während der Messe hat Padre Max die komplette Passionsgeschichte auf Spanisch vorlesen lassen. An diesem Abend ist es hier eine typische Tradition, dass ein riesengroßer Baumstamm aufgestellt wird, der mit pergamentartigen Blättern von Kakteen verziert ist. Er soll die Verbindung zwischen Himmel und der Pachamama-Erde darstellen. Vor dem Aufstellen dankt man der Pachamama mit 97% Alkohol und Coca-Blättern. Diese vergräbt man in der Erde und fängt danach mit dem Aufstellen an – wobei man nur Astgabeln und viele Männer braucht. Das ganze Dorf ist auf den Beinen und schaut zu, denn wenn der Stamm umfällt, bedeutet dies Unglück für das nächste Jahr. Am Ostersonntag wird dieser Stamm wieder umgelegt.
Am Gründonnerstag wurden hier ebenfalls das letzte Abendmahl und die Fußwaschung gefeiert. Auch hier wurden einige Mitglieder aus der Gemeinde nach vorne gebeten um die Fußwaschung symbolisch darzustellen. Ich war eine von ihnen und durfte daran direkt teilnehmen.
Am Karfreitag sind wir Frühs losgelaufen um mit der ganzen Gemeinde auf das Gipfelkreuz zu steigen. Auf diesem Weg sind wir die verschiedenen Stationen der Leidensgeschichte abgelaufen. Aus allen Richtungen kamen Menschen und schlossen sich uns an. Alle Nachbardörfer sind mit ihrem Kreuz hinauf gestiegen. Während diesem Aufstieg kam ich dem wahrhaftigen Sinn dieses Tages noch einmal näher. Oben angekommen lasen die Jugendliche die Passionsgeschichte auf Quechua. Anschließend folgte die Kreuzverehrung – für mich auf eine unbeschreibliche und besondere Art. Hier ist es eine tiefe Tradition, dass ein halbstündiger Gesang auf Quechua zu Ostern gesungen wird. Er wird seit Jahren mündlich übergeben. Nach der Liturgie saßen alle zusammen und packten aus ihren Awayos-Tüchern das mitgebrachte Essen aus. Gemeinsam wurden die Kartoffeln, Mais, Eier, Käse und Brot geteilt und gegessen. Das war ein wahrhaftiger Bolivien-Moment!
Am Samstagabend sind wir nach Bisnoco gelaufen, da dort die Osternacht stattfindet. Wir bereiteten das Osterfeuer vor und den Altar vor der Kirche. Während dem typischen Ostergottesdienst ist es hier üblich bei der Gabenbereitung seinen Dank, Sorge oder Anliegen symbolisch nach vorne zu bringen. Oft wird Wasser, Samen oder Brot gebracht. Mayte und Adelia brachten die Stickereien der Frauen nach vorne, da sie dankbar sind für die Chance, aber die Arbeit auch mit vielen Sorgen verbunden ist. Ich brachte im Namen von uns Drein ein T-Shirt mit den Landkarten von Bolivien und Deutschland nach vorne. In der Mitte waren ein Herz und das Wort Amistad. Wir bedanken uns für die Herzlichkeit und Freundschaft mit den Einwohnern. Während dieser Messe war ich sogar ein halber Messdiener – ich durfte das Weihrauchfass schwenken. Nach dem Gottesdienst bekam jeder eine Tasse mit heißer Schokolade und ein Bunuelo. Wir standen noch einige Zeit am Feuer und genossen die österliche Atmosphäre.
Vielleicht sind so manche Traditionen auf der Welt zu religiösen Anlässen unterschiedlich. Doch eins habe ich bemerkt: der Glaube ist überall gleich.

La Paz Gruppe zu Besuch

Ab Mittwoch bis Ostersonntag hatten wir eine Gruppe Jugendlicher (14-18 Jährige) aus La Paz bei uns zu Besuch. Sie wohnten im Seminarhaus in Bisnoco und waren auf einer Art Besinnungstage. Also entweder ist für mich das Ländliche und Einfache schon so zur Normalität geworden oder diese Gruppe war extrem städtisch, aber ihr Verhalten hat mich in diesen Tagen wirklich sehr erstaunt. Naja, vielleicht trifft auch Beides zu. ;) Mittwochs gegen Abend kam die Gruppe an, doch wir liefen nicht mehr hinunter, da sie alles hatten und es schon dunkel wurde. Donnerstags Frühs um sieben liefen Becci, Franzie und ich dann los Richtung Bisnoco mit 160 Broten in Awayos auf dem Rücken um der Gruppe ihr Frühstück zu bringen. Bisnoco liegt ungefähr 80min. (bergab) neben Titicatchi und über Luquisani. Nach diesem Morgenspaziergang kamen wir bei der Gruppe an und sollten mit ihnen den Vormittag gestalten. Wir frühstückten gemeinsam und erklärten dann das Programm, dass wir geplant hatten. Wir teilten die große Gruppe in Eier-Anmalen, Armband-Knüpfen und Osterkreuz-Basteln ein. Das beste Ergebnis erzielte die Eier-Anmal-Gruppe, denn das konnten sie richtig gut!!! Das mit den Armbändern gestaltete sich schon eher als schwierig…das überraschte mich als Erstes ein wenig. Hier in der Provinz ist es üblich, dass man an Ostern ein riesen Kreuz bastelt und es komplett mit Blumen schmückt. Dafür braucht man natürlich eine Menge Blumen. Ich zeigte der Gruppe, wo sie auf der Wiese die Blumen pflücken können. Nach einiger Zeit kam dann jeder mit zwei einzelnen Blumen in der Hand zurück. Da bemerkte ich, dass es wohl etwas dauern würde. Einige Mädchen streikten nun auch, weil ihre Schuhe schmutzig wurden und andere fanden Babyschweine ziemlich interessant. Ein Glück war Juan-Carlos dabei –er arbeitet normalerweise im Musuq P’unchay- der das ganze in die Hand nahm. So war gegen Mittag das Kreuz fertig! Das Mittagessen war dann für mich ein kleiner Kulturschock. Denn normalerweise gibt es hier Suppe oder!! einen Hauptgang und nur seltenst Fleisch. Doch hier bekam die Gruppe zuerst eine ordentliche und reichhaltige Suppe, dann Kartoffelbrei mit zwei Würstchen für jeden und als Nachtisch Papaya. Gegen Nachmittag liefen wir hoch nach Titicatchi und brachten sie in die Erwachsenenschule (Cetha), weil sie dort die nächste Arbeitswerkstatt erwartete. Wir gingen nach Hause und machten uns frisch für den Gottesdienst. Für die Leute hier ist die Kamera ein seltenes Exemplar, weshalb sie das Fotografieren immer etwas beäugen. Man muss einfach sensibel und vorsichtig damit umgehen. Doch diese Jugendgruppe machte von allem und jedem ein Foto, ob er wollte oder nicht. In der Messe während der Fußwaschung war es ein richtiges Blitzlichtgewitter. Sie haben sich verhalten wie ich mir typische Touristen vorstelle und nicht wie Einheimische aus Bolivien. Ansonsten haben sie an der Liturgie der nächsten Tage teilgenommen und sind Sonntag Frühs wieder nach Hause gefahren. Die Betreuer waren wirklich nett und wir haben uns gut mit ihnen unterhalten, aber überfordert mit so manchen Dingen war ich trotzdem.

Día del Padre

Geburtstage: Mayte, Max, Franzie

Mauereinsturz

Jeder Tag ist ein neues Abenteuer. Das haben wir an diesem Wochenende mal wieder wortwörtlich bekommen. Die ganze Nacht hatte es heftigst geregnet und gestürmt. Ich glaube die Regenzeit will nie enden! Als wir zum Frühstücken in die Küche hinunter gehen wollten, sahen wir auf einmal, dass wir direkten Blick zum Nachbarn hatten. Die ehemalige Mauer war einfach weg!! Sie lag bei uns im Garten und hatte alles unter sich begraben: Bäume, Blumen, Pflanzen. Jetzt passen durch das Loch ungefähr fünf Kühe nebeneinander hindurch. Das ist gar nicht so unwahrscheinlich, da unser Nachbar Kühe hat. Becci war so geschockt von der Tatsache, dass einfach unsere Gartenmauer weg ist, dass sie eine Viertelstunde vor der Ex-Mauer stand. Irgendwann hat sie sich an den Anblick gewöhnt. Padre Max, Mayte und Esperanza haben uns beruhigt und uns versichert, dass der Nachbargarten umzäunt ist und somit niemand –außer der Nachbar und seine Kühe- bei uns im Garten stehen kann. Wie erleichternd. ;)

Gemeinde - Oster - Brief

Querida Parroquia de St. Lorenzo, Queriods Amigos, Queridos Conocidos, Querida Familia,

 

Ich wünsche Ihnen Allen Feliz Pascua – Frohe Ostern!! Seit gut acht Monaten lebe ich nun in Bolivien und die Zeit verfliegt rasend schnell. In Titicatchi und Luquisani habe ich mich sehr gut eingelebt. Die Einwohner, meine Schüler und Lehrerkollegen haben mich sehr herzlich aufgenommen und ich fühle mich rundum wohl.
Täglich unterrichte ich Englisch in einer meinen sieben Klassen und biete jeden Dienstag einen Aktivitätsnachmittag an. Dann bringe ich Gummitwist und Schwingseile mit – besonders den kleineren Kindern bereitet das Hüpfen viel Freude! Für die Größeren habe ich Wolle dabei und wir knüpfen oder flechten gemeinsam Armbänder. Egal ob Jungs oder Mädchen, alle sind mit dabei! Am Ende sind sie stolz, wenn sie die fertigen Exemplare an ihren Handgelenken bewundern können. Als Highlight des Tages spanne ich die Slackline zwischen zwei Bäumen auf. Anfangs beäugten die Schüler das Seil zum Balancieren nur und trauten sich noch nicht so recht. Aber mittlerweile haben sie die Angst verloren und laufen mutig darüber. Einige können es schon richtig gut und schaffen ein großes Stück freihändig. Es ist schön zu sehen, wie die Großen den Kleinen helfen und Schritt für Schritt eine Vertrauensbasis heranwächst.
Ich habe meine Schüler richtig lieb gewonnen und sie mich anscheinend auch, denn egal wo sie mich sehen, kommen sie auf mich zu gerannt. Ein kleiner vier-jähriger Junge Alejandro hat mich nach der Schule zu sich eingeladen, weil er mir seinen Schulweg + Haus zeigen wollte. Dazu stellte er mich seiner leicht überraschten nichtsahnenden Mutter vor. Eine andere Mutter hat mich zu sich zum Essen eingeladen, weil ihre Tochter Nicol so viel von mir erzählen würde. Der Klassenlehrer Erasmo aus der Primaria hat mich letztens darauf angesprochen, dass ich doch seine Klassen komplett vereinnahmt hätte. Sie wären völlig begeistert und nur noch am Schwärmen vom Englisch Unterricht. So gibt es noch viele weitere kleine Begegnungen, die für mich aber einen großen Wert haben.
Zwei Mal die Woche habe ich nun Quechua Unterricht bei Eloyterio, damit ich zumindest ein wenig die Ur-Sprache der Indios hier lerne. Er möchte mir auch das Panflöte Spielen beibringen! Im Gegenzug mache ich ein wenig Englisch mit ihm. So viel zum Alltag, der sich nun einpendelt.
Die Semana Santa-heilige Woche und Pascua-Ostern habe ich dieses Jahr auf eine gleiche und doch so andere Art und Weise verbracht. An Palmsonntag sind wir ebenfalls in einer Prozession mit Blumen (da es hier keine Palmbuschen gibt) durch die Straße gezogen. In der Messe wurde dann die Passionsgeschichte auf Spanisch vorgelesen. Gegen Abend haben die Titicatchenos zwei riesengroße Baumstämme auf der Plaza aufgestellt, die mit pergamentartigen Blättern aus Kakteen verziert waren. Sie sollen als Zeichen für die Verbindung zwischen der Pachamama-Erde und dem Himmel stehen. An Ostern werden sie dann wieder umgelegt. Am Gründonnerstag feierten wir das letzte Abendmahl und einige Einwohner -unteranderem ich- bekamen die Füße symbolisch gewaschen. Am Karfreitag liefen wir schon früh morgens zum Gipfelkreuz um den Leidensweg Jesu zu verdeutlichen. Alle Gemeinden aus dem Umkreis liefen aus den verschiedensten Richtungen hinauf und oben traf man sich. Die Jugendlichen laßen die Passionsgeschichte auf Quechua und stimmten zum Schluss einen traditionellen Gesang (Pascuaresa) an. Im Anschluss packten alle ihr Awayos mit Kartoffeln, Mais, Eiern, Käse, Brot aus und gemeinschaftlich wurde geteilt und gegessen. Die Osternacht feierten wir in Bisnoco mit einem Osterfeuer. Nach der feierlichen Messe bekam jeder eine Tasse Heiße Schokolade und Bunuelos. Wir standen noch am Feuer zusammen und genossen die österliche Atmosphäre. Hier ist mir noch einmal stärker bewusst geworden, was jeder Tag für eine ursprüngliche Bedeutung hat.
Ich wünsche Ihnen eine österliche Zeit!

Liebe Grüße
Franziska aus Titicatchi

Aktuelles

Nach einer halben Ewigkeit ist nun die deutsche Übersetzung des Jahresbriefs der Casa Campesina online!

 

Zudem als ein kleines Extra habe ich auch den Jahresrundbrief von Padre Max veröffentlicht.

 

Viel Spaß beim Lesen!

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Franziska Beck