Franziska in Bolivien
Franziska in Bolivien

Navidad - ein intensives Fest

Zuerst einmal wünsche ich Euch FELIZ NAVIDAD, ich hoffe ihr hattet ein schönes und besinnliches Fest! :)
Hier habe ich am vierten Advent mit Becci 200 Plätzchen gebacken für die Kinder in Achacachi. Das hat eine Weile gedauert, wurde aber ganz lecker.
Am Samstag davor fuhren wir mit den Schwestern und unserem Jeep nach La Paz um unsere Speisekammer für die nächste Zeit aufzufüllen, damit wir von Sperrungen/Demonstrationen/etc unabhängig sind.
In der Woche vor Weihnachten haben wir uns täglich mit Kindern im Pfarrhaus getroffen um eine Stunde Weihnachtslieder zu proben. Das hat erstaunlich gut geklappt und es kamen zwischen 10 – 20 Kinder. Becci und ich waren selig vor Glück, dass endlich ein Angebot von uns zahlreich angenommen wurde.
Am Tag vor Weihnachten machten wir noch mal Großputz im Haus und bereiteten alles für das Fest vor.
Endlich war dann der 24.12.13 – Navidad. Morgens gestalteten Hna Vio, Hna Angie, Becci und ich die Krippe in unserer Kapelle. Sie wurde richtig groß! Mittags aßen wir noch etwas Kleines und gegen drei Uhr ging es dann Richtung Kirche. Dort brachten wir zuerst unsere Plätzchen dem Pfarrer und machten dann eine Generalprobe mit den Kindern aus unserem Chor. Es klappte sehr gut, auch wenn sie aufgeregt waren. Zur Kindermette kamen dann viele Kinder und einige Familien. Wir sangen unsere Lieder und feierten eine schöne Messe. Becci durfte die Psalme singen und ich laß die Lesung. Ich hoffe es haben alle einigermaßen verstanden, denn so manche Wörter waren mir unbekannt. ;) Die Krippe in der Kirche waren lebensgroße Figuren aus Stroh mit Tüchern bedeckt. Während diesem Gottesdienst kam richtige Weihnachtsstimmung trotz Hochsommer auf. Im Anschluss an die Kirche lud der Pfarrer alle Kinder ins Pfarrhaus ein, da es dort die versprochene Überraschung gab. Bis dahin ähnelte alles zumindest ansatzweise an die deutsche Kultur. Doch dann kam der große Unterschied und für mich ein intensives Erlebnis.
Wir hatten einen großen Tisch in der Mitte aufgestellt mit einem riesen Topf mit Cacao, unsere Plätzchen, Milchbrötchen, Lollis und Süßigkeiten. Jedem Kind wurde etwas von jedem gegeben. Die Freude von den Kindern war sehr groß und sie bedankten sich sehr für diese Gaben. Ein Junge sagte überglücklich, dass es nun für die nächsten drei Tage was zu essen habe. Ein circa fünf-jähriges Mädchen packte alles in einen Awayo ein und sagte, dass dies für ihre Familie sei. Sie hat nichts davon gegessen, sondern möchte ihrer Familie ein Weihnachtsessen dadurch bereiten. Wenn man sich diese kleinen Momente anschaut, dann wird einem die Armut der Kinder so deutlich gemacht. Mir kamen fast die Tränen als ich das gehört habe. Aber trotzdem gehen diese Kinder nicht traurig durchs Leben sondern zeigen so viel Freude und Dankbarkeit.
An diesem Tag wurde mir bewusst, was für ein Konsumfest Weihnachten doch oftmals in Deutschland geworden ist. Wirklich schade. Hier kann man die Kinder mit so kleinen Dingen sehr glücklich machen, wobei man in Deutschland den Geschenkeberg als wichtig empfindet. Doch die Frage ist, ob das wirklich so wichtig ist! Die Geburt Jesu, das Teilen, die Freude sollten an diesem Fest doch eine viel größere Rolle spielen. Dies hat mich wirklich bewegt und sehr nachdenklich gemacht.
Im Anschluss an die Kindermesse sind wir nach Hause gegangen und haben unser Weihnachtsessen vorbereitet: Selbstgemachte Pommes, Brathühnchen, Nudelsuppe, Bohnen, Salat und Brot.
Danach sind wir in die Christmette und sie war voll mit Menschen. Becci und ich durften wieder die Psalme und Lesung übernehmen, was schön war. Eine Jugendband hat gespielt und es war eine wunderschöne Weihnachtsstimmung in der Kirche. Zu Hause haben wir noch das Jesuskind in unserer Kapelle angebetet und saßen danach beim Essen zusammen. Wir haben Geschenke ausgetauscht und die Schwestern haben sich sehr über den Ausflug nach Titicatchi gefreut. Um Mitternacht haben wir mit Sidre angestoßen und jeder durfte einen Wunsch aussprechen. Gegen ein Uhr morgens lagen wir dann im Bett und waren hundemüde, glücklich aber auch nachdenklich.
Am 25.12.13 sind wir morgens um zehn Uhr wieder in die Kirche und haben in einer randvollen Kirche Messe gefeiert. Danach waren zwei Massentaufen mit circa 30 Täuflingen. Das war an sich ganz schön, aber ein wenig voll. Anschließend hat uns Padre Changis zu sich nach Hause eingeladen und wir haben ein Käffchen zusammen getrunken. Das war für mich ein wenig melancholisch, weil ich ihn das letzte Mal sah. Er wird ab Freitag zuerst Urlaub in Chile machen und dann für drei Jahre nach Argentinien gehen. Wir sind ja dann auf Urlaub und so war es das letzte Mal. Er ist mir in den vier Monaten ans Herz gewachsen und ich finde es schade, ihn so schnell wieder zu verabschieden.
Nun wünsche ich Euch besinnliche Weihnachtstage im Kreis der Familie und Freunde.

Liebe Grüße aus den Anden !!

Letzten Tage vor Weihnachten

Auch die letzten Tage vor Weihnachten waren wieder aufregend und voll gepackt mit Vorbereitungen. Zuerst einmal gab es eine große Überraschung: Stefan (ein Freund meiner Eltern) kam mit dem Motorrad aus Chile nach Achacachi zu Besuch. Was eine Freude!! :) Er hat ein Päckchen aus Deutschland zu Weihnachten mitgebracht und wir waren glücklich Besuch zu haben. Er blieb eine Nacht, schlief bei Padre Changis und frühstückte mit den Schwestern im Kloster. Sein Motorrad verstauten wir in der Garage, was ein ganz schöner Akt war. Wir mussten drei riesige Tore öffnen und die klemmten ein wenig. Ein wenig. :P Aber es war einfach schön, dass er da war.
Am Tag darauf hatte unsere Madre Elsa Geburtstag. Dies war ein großes Fest und so wurde die Küche schon am Tag davor geschmückt mit Luftballons, Bildern, Kuchen, Gelatine, Blumen, …
Becci und ich schenkten ihr einen Bilderrahmen mit Bildern von der Kongregation. Sie freute sich wirklich sehr! Padre Ramiro kam auch am Vormittag und brachte eine rieeeeeesige Torte mit! Gegen Mittag feierten wir dann eine Messe in der Kapelle, was wirklich sehr festlich war. Zum Mittagessen gab es ihr Lieblingsessen und gegen Ende sangen Hna Vio, Hna Angie, Becci und ich einige Lieder zum Geburtstag. Sie hat sich so sehr gefreut, dass sogar ein paar Freudentränchen gerollt sind. Die Torte schnitten wir auch an und wir haben unglaublich viel gegessen.
Am Abend haben Becci und ich zum Festtag Bratäpfel (Nach Ruths Rezept! :) ) gemacht. Sie haben allen geschmeckt, obwohl statt Mandeln in den Äpfeln Erdnüsse zu finden waren. Auf dem Markt gabs nichts anderes. Im Allgemeinen war es ein rundum schöner Geburtstag!

Advent ( + endlich Internet!!)

Buenos días meine Lieben,

nach gefühlten Ewigkeiten (meine Eltern hüpfen schon im Viereck) schreibe ich mal wieder Blog. Die letzten Zeiten waren einfach turbulent und so kam ich eher selten an den Computer um euch einen Bericht zu schreiben. Der jetzige wird dafür umso länger. ;)
Anfangen möchte ich mit den letzten Tagen in der Schule. Ich schrieb in allen Klassen die Abschlussexamen in Englisch und musste diese natürlich auch korrigieren. Da es aber ein Weilchen dauerte, bis wir das System der Notenvergabe (30 – 70 Punkte) richtig erklärt bekamen, mussten wir alle Notenlisten innerhalb eines Tages ausfüllen. In der Nacht haben wir nur von Punkten und Zahlen geträumt!! In den Bildern als Anhang seht ihr ein Examen für die 10. Klasse Gymnasium. Jetzt grinsen die Schüler unter euch bestimmt, aber das Niveau ist hier einfach nicht vergleichbar. Jeder Schüler müsste mir eigentlich auch sein „Carpeta“ (=Heft) abgeben, aber ich habe nur zwei Tüten für 7 Klassen bekommen – das ist deutlich zu wenig. Leider interessiert es die Schüler auch nicht, diese wieder abzuholen. So habe ich diese immer noch. ;)
Während der Zeit des „Reforzamientos“ (=Vertiefung) kamen viele Eltern mit ihren Kindern in die Schule, um über die Noten und mögliche Veränderungen zu reden. Auch mich besuchten vereinzelt Mütter und Väter, die sich beschwerten, dass ihre Kinder unteranderem wegen Englisch die Klasse wiederholen müssen. Mir wurde der Unsinn des Englischunterrichts erklärt, ich wurde gebeten ein gutes Wort für ihr Kind einzulegen damit es doch weiterkommt, mir wurden dubiose Angebote gemacht, ich wurde beschimpft und schräg von der Seite angemacht. Aber all dies hat leider nichts genutzt, denn Korruption und Lügen unterstütze ich hier nicht. Das habe ich versucht den Eltern klarzumachen. Außerdem hab ich ihnen angeboten, ihren Kinder wirklich zu helfen, indem ich ihnen nächstes Schuljahr kostenlosen Nachhilfeunterricht gebe, damit sie besser werden und es am Ende keine Probleme mehr mit Englisch gibt. Aber darauf sind sie leider nicht eingegangen… Doch es gab auch schöne Erlebnisse mit besorgten Eltern, die sich nach dem Ergehen ihrer Kinder erkundigten. Ein Vater kam zu mir und freute sich rießig, als ich ihm mitteilte, dass sein Sohn die Prüfung mit sehr gut bestanden hat. Er bedankte sich und war überglücklich. Auch ein Bruder von meinem Schüler kam zu mir und erzählte, dass Franklin immer so viel von seiner neuen Englischlehrerin berichtet. Die wollte er nun mal kennenlernen und fragen wie sein Bruder im Unterricht so ist. Auch ihm konnte ich mitteilen, dass er ein exzellenter Schüler ist und ich rundum zufrieden mit ihm bin. Daraufhin unterhielten wir uns fast eine Stunde und im kommenden Jahr will auch er sein Englisch aufbessern. Nach solchen Gesprächen gehe ich gestärkt wieder in die kommenden Aufgaben!
Nach der letzten anstrengenden Zeit mit den Schülern und Eltern, kommt nun die Zeit mit den Lehrern: Lehrerkonferenzen! Ich weiß nicht, was mich mehr Nerven gekostet hat. Drei Tage saßen wir täglich über neun Stunden zusammen. Wir haben diskutiert, diskutiert und diskutiert. Ich ziehe nun den Hut vor jedem Lehrer: mein größter Respekt! Nun haben wir aber Kommissionen zusammengestellt und den kompletten Jahresplan erstellt. Ich bin in der Pastoralarbeit und wir stellen ein Samstagsprojekt für die Kinder und Jugendlichen auf die Beine – so etwas wie Wochen(w)ende in Kleinostheim. Nur das unser Projekt auf einen Nachmittag beschränkt ist.
Am nächsten Tag haben wir uns erst mal eine Pause gegönnt von all dem Korrigieren. Wir sind auf dem Mirador von Achacachi gelaufen und haben die Aussicht über unser Dorf genossen.
Natürlich ist auch bei uns die Adventszeit eingeläutet. Für die Menschen hier ist Weihnachten nicht so ein großes Fest wie in Deutschland. Außerdem ist es schwierig im „Sommer“ in die Weihnachtsstimmung zu kommen. Es ist zwar kalt, aber viel zu hell und klar für diese Zeit. Vielen herzlichen Dank an meine Familie und besonders an Tante Andrea für die süßen Adventskalender!! Die Schwestern haben diesen Brauch nicht gekannt und als ich sie bat ein Türchen zu öffnen, hat sie die Zahlen ganz außer Achtung gelassen. Jetzt freuen sie sich wie kleine Kinder am Morgen ein Türchen zu öffnen. Wir haben auch einen Adventskranz gebastelt und die Kerzen durch hübsche Rollen ersetzt. Becci hat mir sehr süß einen kreativen Adventskalender gebastelt, sodass für uns wichtige Elemente der Weihnachtszeit nun auch hier zu finden sind. Danke! Zur Adventszeit gehören auch die Plätzchen. So verwandeln wir nun jeden Sonntag unsere Küche in die Weihnachtsbäckerei. Butterplätzchen, Spekulatius, Terrassenplätzchen, Hildegardkekse - all dies haben wir frei Hand gebacken, da wir zwar Rezepte, aber keine Messgeräte haben. Die Schwestern haben sich gefreut und auch die Lehrer durften von unseren Backkünsten profitieren. Da wir nun diesen besonderen Knopf am Ofen gefunden haben, der die Oberhitze einstellt, können wir sogar Kuchen backen. Wow!
Am 6. Dezember feiert man in Deutschland den St. Nicolaus. Hier in Bolivien nicht. Aber wir haben die Tradition zumindest bei den Schwestern eingeführt. So schlichen wir abends in die Küche um Socken mit Süßem an die Stühle zu hängen. Am nächsten Morgen war die Überraschung natürlich groß. Jede Schwester hat sich sehr gefreut, dass der St. Nicolaus auch an sie mit ihren speziellen Wünschen gedacht hat.
Am 12. Dezember war hier im Konvent ein sehr großes Fest! Der Erscheinungstag der Maria Guadalupe. Am Abend vorher wurde unser Esszimmer geschmückt, das feine Geschirr herausgeholt, groß mexikanisch gekocht und alle Vorbereitungen getroffen. Nachts um halb eins sind wir dann alle aufgestanden und haben uns vor den Fernseher gesetzt (Ja - wir haben einen TV, den wir bis jetzt aber noch nicht zu Gesicht bekommen haben). Wir haben gemeinsam den Gesang verschiedener Künstler und die Messe in der Basilika in México für die Maria Guadalupe angeschaut. Zwar waren wir ein wenig müde, aber es war schön zu der Gemeinschaft dazuzugehören und dieses wichtige Fest mitfeiern zu dürfen. Am Morgen schliefen wir etwas länger und zum Frühstück wurde groß aufgetischt. Danach kam Padre Changis ins Haus um in der Kapelle eine Messe zu feiern. Auch dorthin durften wir mit! Nach dem Gottesdienst unterhielten wir uns mit dem Pfarrer und er teilte uns mit, dass er ab Januar für drei Jahre in Argentinien leben wird. Das war natürlich eine traurige Nachricht, denn ihn haben wir ins Herz geschlossen, aber wir freuen uns für ihn, dass er diese Chance bekommt. Das Mittagessen war ein richtiges Festmahl: typisch mexikanisches Essen! Im Großen und Ganzen ein sehr wichtiges und schönes Fest im Konvent.
Langsam geht die Schulzeit dem Ende zu und so steht die „Graduation Kinder 2013“ (= Übertritt von Kindergarten in die Erste Klasse) und „Graduation Promo 2013“ (= Abiturverleihung) an.
Die „Graduation Kinder“ war wirklich süß gestaltet und die Lehrer wie auch Eltern haben sich große Mühe gegeben dieses Fest zu etwas besonderem werden zu lassen. Draußen auf dem Platz wurde eine kleine Bühne aufgebaut, roter Teppich ausgerollt, alles geschmückt, Musik aufgebaut und Stühle für die Gäste gestellt. Die Kinder kamen schick angezogen und bekamen schwarze Umhänge mit Collegehüten auf. Für uns war das ein komisches Gefühl, da in Deutschland die Kinder in diesem Alter wie Kinder behandelt werden, aber hier eher wie Erwachsene. Jedes Kind hatte einen Paten, der sie während der Zeremonie begleitete. Sie liefen über den roten Teppich ein und wurden auf die Bühne gesetzt. Danach wurde die Hymne gespielt, gebetet, gesungen und Reden gehalten. Im Anschluss holten sich die Kinder ihre Zeugnisse bei den Schwestern ab und durften Fotos machen. Nach der Übergabe fing dann ein buntes Fest an. Jeder bekam Konfetti auf die Haare gestreut (eine wichtige Geste), es wurden Glückwunsche ausgeteilt und viele gemeinsame Fotos mit Lehrern und Familie gemacht. Alle Lehrer waren anwesend und feierten den Übertritt mit den Kleinen. Zwischenzeitlich hatten wir kurz Sorge, dass es zu regnen anfinge, aber ein Glück hat es sich gehalten. Die Kinder haben Geschenke von ihren Paten und Familien bekommen – es war ein schönes Fest!
Eine Woche später feierten wir die „Graduation Promo“. Dieses Fest war für mich sehr besonders, da es mich auf meine eigene Abiturverleihung zurückblicken lies. Angefangen hat der Tag um 9.oo Uhr morgens. Eigentlich sollte da die Verleihung beginnen, aber wie es hier so üblich ist, war noch nichts vorbereitet und noch keine Schüler da. Mit der Zeit tröpfelten einige ein, die zum Helfen und Aufbauen kamen. Da es die ganze Nacht und Morgen geregnet hatte, bauten wir die Bühne in einem größeren Klassenzimmer auf. Dies war so ein Spaß, dass ich Tränen und Bauchschmerzen hatte, so viel Lachen musste ich. :D Drei Jungs (Marco - Antonio, Daniel - Elias, Guido) sollten Becci und mir helfen ein Tuch vor Bücherregale zu hängen, dass es hübscher aussieht. Dies war ein Akt, der so einiges an Kraft, Gleichgewicht und Humor benötigte. Nach einer Stunde war das Regal dann auch abgedeckt! Die Bühne mit kleinen Stühlchen für die großen Jungs stand, die Stühle waren aufgestellt, der Raum geschmückt, die Musik war auch bereit und das Fest konnte beginnen. Theoretisch. Denn es fehlten noch die Hauptpersonen: Absolventen und Familien. Kurzerhand trafen sich alle Lehrer und Schwestern in einem Klassenzimmer und aßen dort zu Mittag. Es wurde typisch bolivianisch gegessen mit „Tunta, Chuno, Hühnchen, Aji + Coca Cola“. Dann gegen zwei Uhr nachmittags kamen die ersten Abiturienten in Anzug oder Minirock. Alle waren sehr schick angezogen, sodass ich meinen Bläzer auch mal aus dem Schrank holte. Die Abiturverleihung begann ebenfalls mit dem Präsentieren der einzelnen Schüler, Nationalhymne, Schulhymne, Gebet, Rede der Klassenlehrerin, Rede des Abiturjahrgangspaten, Rede der Direktorin, Tanz für die Pachamama und Gesang. Dann bekamen die Schüler ihre Zeugnisse überreicht. Was mich überraschte war, dass alle so ernst schauten und kein einziger Schüler ein Lächeln auf den Lippen hatte. Danach bedankten sich die Schüler bei den Lehrern durch einen Schulwimpel, der jedem einzeln überreicht wurde. Auch mir! Das war eine Überraschung als ich als „Voluntaria alemana professora de Inglés Franziska Beck“ aufgerufen wurde – ich hab mich wirklich gefreut! Nachdem vereinzelte Schüler für besondere Leistungen geehrt wurden war der offizielle Teil vorbei. Die Schüler haben sich untereinander verabschiedet und auch bei den Lehrern. Dies war der traurigste Teil der Veranstaltung, da alle geweint haben und bei mir fast auch ein Tränchen geflossen wäre. In der kurzen Zeit habe ich meine Schüler ins Herz geschlossen und weiß nun nicht, wann ich sie wieder sehen werde. Wir haben viele Fotos gemacht und alle gedrückt und beglückwünscht. Vor dem Klassenzimmer wurden die Schüler von einer großen Masse Menschen erwartet, Konfetti ist geflogen und –was mich gewundert hat- bekamen die Schüler Decken mit Geldscheinen umgehängt als Mitgebsel. Vor der Schule waren Stände aufgebaut, an denen man Geschenke für die Schüler kaufen konnte. Danach sind alle nach Hause oder auf die Plaza gegangen um weiterzufeiern. Es war ein schönes Fest, das voller Emotionen war.
Nach diesen ganzen Festlichkeiten ist nun die Schule aus und wir wollten ein Wochenende in der Großstadt verbringen. Samstag früh um 6.oo Uhr!!! starteten wir unseren Kurztrip nach La Paz. Wir fuhren zur Casa Campesina, sagten dort kurz Hallo und es ging weiter direkt zur Post. Das war unser großes Ziel des Wochenendes! Ganz gespannt suchten wir unser Postfach und waren aufgeregt ob denn etwas angekommen ist. Nun ein herzliches Dankeschön an Familie Egenberger, Familie Orlitzky, meine Mädels Junik + Sarah + Lena + Manu, Eva + Gerard, Philipp und Lea!! Ich habe mich unglaublich sehr über eure Briefe und Pakete gefreut. Vielen vielen Dank! Aber den Knaller hat natürlich meine Familie und Beccis Familie abgeschossen: Der Zoll hat nichts geöffnet und die Pakete kamen in ihrer ganzen Pracht an! Wir saßen in der Post und haben uns gefühlt wie kleine Kinder unter dem Weihnachtsbaum. Das war unglaublich! DANKE! Nach einer Stunde in der Post sind wir weiter um unsere Weihnachtsgeschenke auszuteilen. Zuerst waren wir bei Isabel (unserer Spanischlehrerin), dann haben wir noch einige kleine Geschenke eingekauft um dann in unserem Lieblingsrestaurant Mittag zu essen. Dort haben wir uns mit Francisco und Lucía getroffen. War das eine Freude sie wiederzusehen! Am Nachmittag trafen wir uns mit Carlos (unserem Freund + Freund von Francisco) in der Kuchenstube, einem deutschen Café. Dort gab es Apfelstrudel!!!! Aber der Tag ist noch lang nicht zu Ende – es folgt noch eine große Überraschung. Carlos fragte uns ob wir Lust auf ein Konzert haben, da seine Tochter ihn versetzt hat und er nicht alleine gehen möchte. Wir waren total überrumpelt aber sagten zu, denn so eine Chance muss man nutzen! Als wir dann noch hörten auf was für ein Konzert wir gehen, vielen wir fast aus allen Wolken: Liverpool spielte „The Beatels Story“!! Dieses Konzert war der HAMMER! Abends kamen wir überglücklich wenn auch ein wenig müde nach Hause. Doch dieses Wochenende hatte noch weitere Überraschungen für uns zu bieten. Sonntags fuhren wir mit dem Micro nach Achumani in die Zona Sur um die Messe in der Schönstatt Kirche mitzufeiern. Dort kamen wir etwas zu früh an, aber es gab eine kleine „Feria Navidena“ (=Weihnachtsmarkt) die wir besuchten. Nach dem schönen 3.Adventsgottesdienst trafen wir uns mit dem dortigen Padre José Maria Neunhauser – einem deutschen Pfarrer aus Mönchengladbach. Der Plan war, wir essen mit ihm zu Mittag, fahren dann zur Casa Campesina und danach gemütlich nach Hause. Pustekuchen! Der Pfarrer wurde von einer Familie zum „Almuerzo“ (=Mittagessen) eingeladen. Sie störten sich auch nicht daran, dass er zwei Anhängsel –nämlich uns- dabei hatte. So fuhren wir zuerst in das Haus vom Padre, quatschen dort ein wenig über dies und das und aßen echte deutsche Lebkuchen!
J Anschließend fuhren wir zur Familie, die in einem sehr reichen Viertel lebte, und wurden dort sehr herzlich empfangen. Der Sohn der Familie war auf einer deutschen Schule und hat schon in Deutschland, Essen studiert, sodass er sich sehr für unseren Aufenthalt hier interessierte. Am Nachmittag fuhren wir dann nach Kollasuyo zurück um dort unsere Rücksäcke zu packen und uns von Juan, Gabriela und Gladys zu verabschieden. Gegen abend fuhren wir dann nach Achacachi zurück. Es war mal wieder ein schönes Wochenende, wenn auch voller Überraschungen. Nach dem Abendessen schaute ich mir dann die Bilder und Videos an, die ich mitgeschickt bekam und freute mich rieeeeeeeßig. J Danke, Eva + Gerard!!!
Heute ist Montag und die Woche wird wieder nicht langweilig. Am Vormittag gab es eine Messe in der Kirche zum 30-jährigen Priesterjubiläum von Padre Changis. Daraufhin kam Padre Javier (=Pfarrer aus Titicatchi), zwei weitere Pfarrer und der Óbispo Eugénio (=Bischof) von El Alto zu uns nach Achacachi. Wir feierten einen schönen Gottesdienst mit Aymara Gesang und Musik. Anschließend gingen wir in den Pfarrsaal wo alle Frauen ihre Awayos (=große Tücher) mit Essen in der Mitte ausbreiteten. Alle nahmen und aßen reichlich. Daraufhin bekam jeder noch einen Teller mit typisch bolivianischem Essen vom Pfarrer. Es wurde mit den Fingern gegessen und es war ein schönes Beieinander. Nach dem Essen spielte die Musikgruppe im Raum und einige Cholitas, Männer und Pfarrer tanzten im Kreis. Nach dem ausgelassenen Teil, gaben einige Personen noch ihre Glückwünsche und Danksagungen an Padre Changis. Es wurde wieder viel Konfetti gestreut und Fotos gemacht. Zum Schluss schnitten wir die vier großen Torten an und verteilten die Stücke an Alle. Die Musik spielte wieder uns es war ein schönes Fest! Schade, dass er im Januar nach Argentinien gehen wird. Ich werde seine lustige Art hier vermissen, aber ich wünsche ihm alles Gute.
Morgen machen Becci und ich Weihnachtsputz in unserem Zimmer, treffen uns nachmittags mit Kindern und Jugendlichen um Weihnachtslieder einzuüben und erwarten Juan, der nach Titicatchi fährt. Mittwochs abends freue ich mich auf die Ankunft von Stefan, dem Motorradfahrer, der Mitbringsel aus Deutschland dabei hat. Donnerstags ist mal wieder Lehrerkonferenz und freitags hat Hra Elsa Geburtstag. Wie ihr seht, wir haben so einiges zu tun!
Nun bin ich seit 104 Tagen in Bolivien und ich fühle mich so unglaublich wohl. Mit den Schwestern verstehen wir uns immer besser und wir witzeln ständig rum. Hier wird so viel gelacht, da kann man gar nicht traurig werden.
Nach Weihnachten fahren wir nach Lima um dort Silvester mit den übrigen Freiwilligen am Meer zu feiern. Danach haben wir eine Woche Zwischenseminar in Lima und fliegen dann nach Santa Cruz. Von dort machen wir eine zweiwöchige Abenteuerreise über Samaipata, Sucre, Potosí, Uyuni, Salar de Uyuni, Oruro nach La Paz. Ich freue mich schon sehr und bin gespannt was wir alles erleben. Während dieser Zeit kann ich mich leider nicht melden, da ich Internetfrei bin. ;) Ab 04. Februar fängt dann die Schule wieder an und somit auch die Arbeit.

Ich wünsche Euch eine schöne restliche Adventszeit.
Franziska


P.S. Ich hoffe der lange Bericht hat die zwei-wöchige-Schreib-Abstinenz wettgemacht.
:)

P.P.S. Fotos hochladen ist aktuell schwer, kommt noch! ;)

Aktuelles

Nach einer halben Ewigkeit ist nun die deutsche Übersetzung des Jahresbriefs der Casa Campesina online!

 

Zudem als ein kleines Extra habe ich auch den Jahresrundbrief von Padre Max veröffentlicht.

 

Viel Spaß beim Lesen!

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Franziska Beck