Franziska in Bolivien
Franziska in Bolivien

Jahresbericht 2014 auf Deutsch Casa Campesina

Nach langem Warten kommt die heiß ersehnte Übersetzung des Jahresbriefes der Casa Campesina.

 

 

An die Freunde der Casa Campesina:

 

Wie an jedem Jahresende berichten wir von unseren Aktivitäten, die wir während dem Jahr durchgeführt haben. Im Jahr 2014 gab es keine großen Veränderungen in unserer Grundstruktur. Wir empfangen alle Bedürftigen in unserer Sozialstation. An Kranken mangelt es nicht, was sich jedoch ändert ist die Anzahl. Diese hängt von dem medizinischen Personal in den Krankenstationen auf dem Land ab, welche wir hier in der Stadt unterstützen.

Ein Beispiel ist die Krankenstation in Titicachi, in der ein Arzt arbeitet, der aufgrund seiner Laune oder anderen unbegreiflichen Interessen, die zu ihm kommenden Patienten nicht in die Stadt schickt. Die Krankheit breitet sich mit der Zeit weiter aus und die Familie entscheidet irgendwann selbst ihn in ein spezielles Krankenhaus zu bringen. Dann kommt er irgendwo bei Freunden oder Bekannten unter. Irgendwann erscheinen sie dann in unserer Einrichtung, nachdem sie von Ort zu Ort geirrt sind und schon viel auf sich genommen haben.

Es ist schade, dass es sich genau um die Krankenstation handelt, mit der die Casa Campesina geboren wurde. Sie hatten die Aufgabe das Konzept mit allen Verträgen auszuarbeiten, damit wir die Patienten empfangen durften, die sie schickten. Heute kommt die größte Anzahl der geschickten Patienten aus anderen Krankenstationen der Region.

 

Die Probleme der medizinischen Versorgung gibt es überall. Die anderen Krankenstationen nutzen die Chance der Casa Campesina. Die Patienten können mit einer finanziellen Unterstützung und einer persönlichen Nachbereitung rechnen. Die Ärzte sollten dies verantwortungsbewusst tun, da es ja eigentlich ihr Job ist. Aber sie wissen, dass es uns gibt und wir sie unterstützen in allem was kommt bis hin zum Entlassungsschein und den schweren Fällen. In dem speziellen Fall der Krankenstation in Titicachi gab es viele Beschwerden an die Autoritäten und sogar an die eigene Pfarrgemeinde in den Versammlungen. Sie beschwerten sich, weil ihnen bewusst ist, dass die Unterstützung der Casa Campesina wichtig und fundamental ist in der krankenhäuslichen Nachbereitung. Aber die Autoritäten des ländlichen Krankenstationssystem konnten bis heute diese Person nicht austauschen. In diesem Sinn können wir dort nicht viel machen.

 

Ein anderer Punkt sind die Auswirkungen des neuen Gesetztes 475, die bis heute für allgemeine Neugierde sorgen. Sektoren wie Schwangere Frauen, Kinder bis 5 Jahre, Senioren ab 60 Jahre, behinderte Menschen und fruchtbare Frauen würden den staatlichen Schutz der Gesundheit ausnutzen. Um nun in Krankenhäusern des zweiten und dritten Niveaus beachtet zu werden muss man notwendigerweise durch das erste Niveau hindurchkommen. Der Schlüssel zum Schloss ist die Macht des ersten Niveaus. Wenn man nicht die entsprechende Referenz zum ersten Niveau hat,  bekommt man keine besondere Aufmerksamkeit. Niemand verbietet ihnen zum Spezialisten zu gehen, aber sie müssen bezahlen wenn sie nicht die Referenz haben. Also wenn ein Arzt erscheint, der den Zugang zum ersten Niveau verbietet, gibt er nicht den entsprechenden Schritt frei.Es ist unbestreitbar, dass mit diesem Gesetzt versucht wird etwas das Gesundheitssystem zu strukturieren, besonders in den öffentlichen Krankenhäusern des dritten Niveaus, die viele Fälle betreuen müssen von einfachen Kopfschmerzen bis hin zu Notfällen. Deshalb sind sie meistens komplett überfüllt.  

 

Jedes Jahr versuchen wir über wiederkehrende Fälle zu berichten. In diesem Jahr hatten wir Patienten mit verschiedenen Krankheitsbildern. Besonders auffällig sind die chronischen Nierenkrankheiten. Leider sahen wir Kinder die im jungen Alter unter diesem Problem litten. Jedes Mal nimmt das Kinderkrankenhaus mehr auf. In unserem Fall gab es zwei Patienten. Einer von ihnen bekam nach vielen Analysen die Diagnose, dass es nicht eine Nierenkrankheit sei, sondern mit der Leber zu tun hat. Im anderen Fall entschied die Familie ihn mit nach Hause zu nehmen und mit natürlicher Medizin zu heilen. Wir wissen nicht, ob er weiterhin krank ist.

 

Wenn es sich um die Unterstützung vom Staat für dieses schwere Problem geht, hat sich sehr viel getan. Die Regierung schaffte es fast die Gesamtheit der Ausgaben die für die Dialyse notwendig sind zu decken. Seit kurzer Zeit ist das etwas unerwartet, aber dieses Jahr konkretisierte es sich. Wir hatten einen Fall, den wir finanziell über sehr lange Zeit unterstützten, damit er seine Sitzungen weitermacht. Als er sich freiwillig dem Wehrdienst zur Verfügung stellte, beendeten wir die Hilfe.

 

Weiterhin gibt es sehr häufig Fälle mit Gebärmutterhalskrebs. In der letzten Zeit haben sie die Behandlung gegen diese Krankheit verbunden, das heißt sie nutzen die Chemotherapie und die Bestrahlung gleichzeitig. Früher gab es eine Behandlung nur mit Chemotherapie. Das heißt zuerst eine Woche in der ersten Phase, dann wartete man eine Weile um zu sehen wie der Organismus reagiert und man begann danach die zweite Phase. In vielen Fällen konnte man die einzelnen Phasen nicht mehr zählen… Jetzt ist die Chemo nicht ununterbrochen. Sie wird für eine Woche gestartet, dann behandelt man mehrere Phasen mit Bestrahlung und wiederum die Chemo. Es scheint, dass es so besser reagiert. Wir haben einen Fall mit einer Frau aus dem Norden von Potosí (Ihr gewähren wir Hilfe, was wir externe Hilfe nennen), die sehr gut auf die Behandlung reagiert. Vielleicht muss man das Alter genauer betrachten, sie ist 32 Jahre alt und Mutter von drei Jungs.

Von all den Patienten, die zu uns in die Casa Campesina kamen, starben zwei an ihren Orten. Aber eine von ihnen hinterlässt eine große Lücke. Es zu erzählen ist schwer, aber trotzdem teilen wir es mit. Es fing so an:

Es handelt sich um eine Frau aus der Gemeinde von Tarisquía. Sie war eine ältere Patientin. Vor vier Jahren sagte man, dass man nichts mehr für sie machen könnte. Sie hatte stark fortgeschrittenen Brustkrebs und man gab ihr nicht mehr als wenige Tage zu Leben. Unter diesen Umständen brachte der Ehemann sie zurück in die Gemeinde. Dort lebte sie durch Reinigungen mit medizinischen Pflanzen und sicherlich mit einer besseren Ernährung weiter. Wir dachten dass sie kuriert wurde Dank Gottes. Bei einem Fest zog sie sich alkoholisiert einen Sturz zu und eine mögliche Fraktur an der Hüfte. Sie brachten sie wiederum in die Stadt und nach einem Besuch in der Traumatologie kam es zuerst zu dem Ergebnis eines totalen Geschlechtsvorfalls und später zu einer Behandlung der Knochen. Als man die Untersuchungen im Labor machte, war zu unserer Überraschung in keinem der Resultate von Krebs die Rede, den sie vor einiger Zeit hatte. Sie machten den chirurgischen Eingriff und richteten die Gebärmutter. Eine Woche danach gab es den Entlassungsschein. Bis dahin freuten sich alle. Sie brachten sie nicht in die Aufsicht der Casa Campesina sondern an einen Ort wo der Ehemann arbeitete, eine Art Gasthof oder Unterkunft. Einige Tage später, als sie versuchte alleine zu laufen und sich auf einen Stock stütze, stürzte sie wiederum. Sie hatte so viel Pech, dass sie sich dieses Mal eine Fraktur am Oberschenkelknochen zuzog und direkt ins Krankenhaus gebracht wurde. Nach einigen Röntgen Aufnahmen erkannte man, dass es ein Splitterbruch war, der Grund war für den schrecklichen Schmerz. Der Bruch war so kompliziert, dass sie zu einer „Centellografia“ geschickt wurde, wo herausgefunden wurde, dass der Krebs sich dort festgesetzt hatte. Wiederum wurde sie in die Onkologie geschickt und der Befund war, dass der Krebs weder operiert noch angefasst werden durfte. Aber die Wehklagen waren groß. Schlussendlich entschied sich doch ein Arzt aus der Traumatologie sie zu operieren, nachdem seine Sensibilität ein wenig angerührt wurde. Der Plan war einen Stift einzusetzen und Knochen Zement zu benutzen um ihn zu fixieren. Wir erreichten alles. Schon im Operationssaal konnten sie keinen einzelnen Knochen finden um das Material zu fixieren. Sie schafften es die Splitterungen zu entfernen und mussten sie letztlich wieder verschließen. Aber wenigstens verspürte die Frau Erleichterung und Dank, weil sie keine Schmerzen mehr hatte. Sie suchte eine Art Korsett um ihr Bein daran festzuhalten. Wir holten sie aus dem Krankenhaus und sie wurde erneut in ihre Gemeinde gebracht. In demselben Monat verstarb sie.

 

In diesem Jahr kamen 626 Personen in die Casa Campesina. Eingeschlossen sind Kranke, Familienangehörige und Personen, die Formalitäten zu erledigen hatten. Im Insgesamten hatten wir 243 Kranke von Erwachsenen bis Kindern.

 

Die Casa Campesina gibt weiterhin Unterschlupf für viele Menschen. Jedes Mal werden es mehr Personen und Familien der Quechua-Bevölkerung, die schon einen Ort zum Unterkommen haben. Ist es ein Haus oder ein anderer Ort in der Stadt El Alto oder in der gleichen Stadt La Paz wohin sie gehen, was vor einigen Jahren noch nicht geschah. Dies zeigt uns, dass die Migration vom Land in die Stadt alarmierend ist. Aber nicht alle schaffen es eine Arbeit zu haben um ihre Bedürfnisse zu stillen. Viele Leute, die sich weiterhin bei uns einfinden, kommen aus warmen Gebieten des Departamentos (besonders aus den Yungas), von woher sie mit anderen Gesundheitsproblemen kommen. Dort wohnen sie entweder durchgehend oder sind nur kurzfristig dort um auf den Coca-Plantagen zu arbeiten.

 

Wie immer einen großen Dank an diejenige, die dieses Werk unterstützen. Danke für ihre Solidarität für diejenige, die kommen auf der Suche nach Hilfe. Wir sind nur die Brücke zwischen dem Kummer und der Gesundheit. Eine gute Genesung, ein Lächeln, die Hand mit Carino ausstrecken…schon ist es Liebe. Diese Dinge laden uns ein mehr und mehr solidarisch zu sein.

Jahresrundbrief 2014            von Padre Max

Liebe Freunde in Deutschland

 

Das 2014 geht in die Endphase. Bald kommt das Jahr 2015, das Leben geht weiter, aber immer ist es gut, einen Halt zu machen und zurückzusehen.

 

Wir hatten Wahlen in Bolivien, aber die Partei (MAS = Movimiento al Socialismo) hat nach anfänglichen Einbussen  (sie hatte immerhin 55%)  durch geschickte  Zugaben vom Wahl-Tribunal  dann doch  die Zweidrittelmehrheit „erreicht“. Wir leben im Frieden und in der Ära des Evo und die Partei ist langsam zu einem Staat im Staat angewachsen. Es gibt allenfalls Kämpfe innerhalb der Partei. Wer zur Partei gehört kann sich viel erlauben, wer nicht, muss sehr aufpassen. Nach gewonnenem Wahlkampf konnte Don Evo sagen: Unser einziger Feind ist die katholische Kirche und die Radiosender ERBOL und Radio Fides (der Jesuiten). Wir sind dem Radiosender ERBOL angeschlossen und da wird oft die Parteipolitik sehr offen kritisiert. Aber wir können in unserem kleinen Aktionsradius immer noch weiterarbeiten, es schützt uns wohl die Distanz zur Hauptstadt und die Armut der Bevölkerung. In den Gegenden des Kokaanbaus und der Goldgruben, in den Hauptstädten usw hätte man wohl besser auf uns acht.

 

Papst Franziskus bringt viel Bewegung in Kirche und Welt. Dadurch dass er neue Schauplätze betritt , dass er in Lampedusa, in Korea, in Albanien Dinge sagt, die tief gehen, dass er beim Weltjugendtag in Rio de Janeiro die Jugend aufruft, „hacer lio“ – dh heisst zu deutsch: „Unruhe stiften“ ist nie dagewesen.  Und er tut es selbst auch. Die Synode über die Familie ist plötzlich zu einem Diskussionsforum geworden, in dem auf Wunsch des Papstes frei gesprochen wird und dessen Berichte –früher geheimgehalten - jetzt  veröffentlicht werden. Was ist für mich das Neue an der Sache? Dass „Katholisches Christsein“ aus dem Schützengraben des Sexualverhaltens genommen wurde und durch andere, ebenso evangeliumsgetreue  Fronten  bereichert wird: „kehrt um und glaubt an das Evangelium“, „was ihr dem Geringsten getan habt, habt ihr mir getan“ oder: „selig die um der Gerechtigkeit willen leiden“ diese Jesusworte verdienen es  ja auch, dass man sie neben die Werte der Unauflöslichkeit der Ehe setzt und somit das Sexualverhalten nicht mehr das wichtigste Kriterium für christliche Existenz ist.  Umkehr steht an. Einsatz für die Armen vor der Haustüre und in anderen Kontinenten. Man kann auf verschiedenerlei Weise Jesus beweisen, dass man ihn liebt und ihm gehorcht – auch wenn man in einer Zweitehe lebt.

Eine gute Nachricht: der Papst wird Oscar Romero, den Erzbischof von El Salvador, erschossen am Altar im März 1977, selig sprechen. Oscar Romero hat den Soldaten von der Kanzel her zugerufen,  ja sogar verboten, auf ihre eigenen Landsleute zu schiessen. Er wird in Südamerika und anderswo längst wie ein Heiliger verehrt, aber es ist wichtig, dass er auch in Rom von höchster Stelle her als Vorbild aller Christen dargestellt wird. Er bringt doch den Mut auf, in eine damals gewalttätige Gesellschaft hineinzuwirken,  auch um den Einsatz des eigenen Lebens. Zu den vielen Heiligen die große Beter sind, aber manchmal auch ein Stück abgekehrt von der Welt, passt dieser neue Heilige sehr gut.

 

Wir haben zu Ostern viel Zulauf in Titicachi gehabt, die jungen Familien, die in La Paz und den Yungas in den Kokafelder arbeiten, kamen zum Fussballspiel.  Eine andere Jugendgruppe (35 Jugendliche und 5 Betreuer) hat mit uns Ostern gefeiert, es waren die religiös motivierten Jugendlichen der Teresianer Schwestern, die aus La Paz am Mittwoch ankamen und am Sonntag morgen die Rückreise antraten. Sie füllten die leeren Bänke am Gründonnerstag , begleiteten uns am Karfreitag bis hinauf auf den Berg, der mittlerweile schon „Kreuzgipfel“ benannt wird („Cruzpata“), und die Osterfeier wurde mit ihnen und ca. 100 Teilnehmern im abgelegenen  Bisnoco gefeiert.

Der Hauptplatz von Titicachi wird Samstag abend  gleichzeitig von den Fussballspielern besetzt, die ihr Turnier abgeschlossen haben und  feiern. Wir konnten ein stattliches  Osterfeuer in Bisnoco anzünden und die Osternacht im Freien feiern, denn das gute Wetter spielte mit.

 

Im Mai ging Mayte nach Hause in die Schweiz, dort entdeckte man einen bei ihr Tumor und sie ist zZt in Behandlung, sie ist aber weiterhin sehr optimistisch und will nächstes Jahr zu Ostern wieder bei uns sein. Viele denken an sie und sie hat auch viele Besuche in ihrem Heimatstädtchen. Wir hoffen alle sehr, dass sie wieder zurückkehren kann. Aber durch ihre Abwesenheit sind nun manche Dinge anders verlaufen, denn man kann so eine wichtige Mitarbeiterin nicht so einfach ersetzen, wenn überhaupt.

 

So kümmert sich Mechi um die Aufgaben, die Maite erfüllt hat: Kindergärten und Krankenstation und die Betreuung von vielen Frauen, die Rat suchen und ihn bei ihr finden. In der Apotheke der Krankenstation sind ständig Besucher, die ihr Leid klagen. In der Krankenstation ist es wichtig, dass wir present sind, dass Mechi die Dinge, die dort ablaufen beobachtet  und auch stets mit eingreifen kann, wenn die normalen Mittel einer Krankenstation nicht mehr ausreichen. Wir haben für unsere Mitarbeit in der Krankenstation  generell die Unterstützung der Dorfautoritäten, aber die wechseln jedes Jahr und obwohl wir mit ihnen einen drei-Jahresvertrag unterschrieben haben, ist die Situation in der Krankenstation nicht klar. Dennoch ist es uns immer möglich mit Medikamenten, mit Rat und mit Überführung der Kranken nach La Paz in die Casa Campesina zu helfen.

 

Musuq P’unchay:  Hier ist nun Martina Cardona verantwortlich für die Behinderten.  Dort sind Montag bis Mittwoch mehrere Kinder mit Syndron „Down“ bei uns untergebracht. Dazu sind auch 4 Kinder bei uns, die zTEil hier die Woche über in die Schule gehen und ein Geschwisterpaar, das sehr traumatisiert war,  nun aber sehr fröhliche Kinder geworden sind. Dieselben Tage haben wir auch Nachhilfe für Schüler aus Mollo angeboten. Es waren sechs Schüler, die dieses Angebot angenommen haben, sie hatten in der 5. Klasse keinerlei Ahnung von Lesen, Rechnen, sie hatten es aufgegeben das je noch zu lernen und waren Störenfriede im Unterricht. Bei der Organisation dieser Nachhilfestunden bzw Tage, hat Eleuterio Maraza geholfen, der nun das Pädagogische Studium in El Alto abgeschlossen hat und der sowohl im Mosoq Punchay als auch in den Klassen des Colegio Uripampa wichtigen  Nachhilfeunterricht gibt. Er war voll beschäftigt.  Eine wichtige Hilfe bei den Behinderten sind die Weltwärtsfreiwilligen aus der Diözese Würzburg, von Januar bis August war es Franziska Rumpel aus Dimbach bei Münsterschwarzach, und ab Oktober ist nun Alina Hüfner aus Bessenbach bei Aschaffenburg eine große Hilfe beim Musuq P‘unchay.  Jede zweite Woche hatten wir Edwin bei uns, bettlägerig, ca. 21 Jahre jung, er sitzt bei uns im Rollstuhl und die Kleinen sind gerne um ihn, muntern ihn auf, spielen mit ihm. Es tu weh einen jungen Menschen so zu sehen, aber er freut sich sehr auf die Woche, da man ihn abholt. Martina selbst fährt das Auto, dh, sie lernt da noch dazu. Danken möchte ich hier auch den „Sternsingern“ aus Aachen, die unsere Arbeit mit den behinderten Kindern unterstützen, und auch ein Dank an die Pfarrei in Bleckede, die speziell zum „Musuq P‘unchay“ eine persönliche Beziehung aufgebaut hat.

 

Mayte vergisst auch aus der Ferne ihre Webefrauen nicht, und zur Zeit wird eifrig an 12000 Stück „manillas“ dh Freundschaftsbändchen für MISSIO Schweiz gearbeitet, diese große Arbeit hat sie den Frauen in Titicachi  verschafft.  Auch Juan Bustillos, Mitarbeiter von Maite, der in La Paz die Kranken betreut, ist mit dabei, wenn Entscheidungen zu fällen sind und so ist diese Frauen-Gruppe  trotz Spaltungsversuchen  und politischer Interessen von einigen  Frauen -, doch noch zusammengeblieben und hat im Juni  7000 gestickte Fleckchen nach Japan geliefert, die dort in  Anoraks verarbeitet werden.

 

Der CETHA bringt dieses Jahr gleich 25 Abiturienten zum Abschluss, aber nächstes Jahr werden es weniger sein. Wir haben in Justo Pastor, einem Mitarbeiter der ersten Stunde und in  Esperanza, einer Teresianer-Schwester, feste Stützen. Aber im kommenden Jahr will Esperanza sich zurückziehen. Justo will sich  wiederum um den  Direktorsposten bewerben und da hätte ich dann einige Garantie, dass dieser komplizierte Betrieb mit Schreinerei, Schlosserei, Schneiderei, Landwirtschaft  und Erwachsenenabitur doch für ein paar Jahre positiv weitermacht.

 

Das Colegio Uripampa hat zum letztenmal viele Abiturienten: es sind 53 und das ist sehr viel für unsere kleinen Dörfer. Was wohl aus diesen Abiturienten werden wird? Der Unterricht hat nachgelassen, die Partei schult alle Lehrer in Wochenendkursen, die Indigene Kultur steht nun im Zentrum, aber das Indigene können ja die Jungs und Mädchens von zu Hause her und dafür bräuchten sie nicht ins Colegio. Ausserdem sind fast  jeden Freitag viele Lehrer beurlaubt zu ihrer Schulung,  und kommen Sonntagabend erschöpft von der dreitätigen Reise von La Paz zurück.  Auch die von Evo eingeführten Sport-Olympiaden im Monat Mai, Juni und Juli sind ebenfalls eine große Ablenkung vom Studium.  Wenn man dazu noch die Dauer-Ablenkung rechnet, die  Smartphones oder Handys für die junge Generation bedeuten, dann versteht man, dass die Schüler zwar mit diesen Geräten umgehen können, aber dass Kenntnisse Mathe, Chemie, Physik, Spanisch und der Fremdsprache Englisch sehr nachgelassen haben. Werden unsere Schüler sich noch um den Eintritt in eine Universität bewerben können?? – ich bezweifle es. Die Lehrer passen sich an die Zeitenläufte an und werden gut bezahlt. Sie kämpfen nicht um bessere Leistungen ihrer Schüler, sondern um das Wohlwollen der Schüler. Das war früher einmal anders.

 

Von Februar bis August war Rebeca Siemers „Weltwärts“ aus Heidingsfeld bei uns. Sie hat dem Musiklehrer geholfen und   bei Abwesenheit von Lehrern viele Stunden ausgefüllt. Jetzt ist  Johannes Stein vom Heuchelhof bei uns und hilft im Musikunterricht. Alle weltwärts Jugendlichen lernen sehr schnell spanisch und finden sich gut zurecht. Franciska Beck die dritte Weltwärts-Freiwillige (aus Kleinostheim) hat  in Luquisani Englisch Unterricht gegeben – ihre Arbeit konnten wir nicht mehr weiterführen.   

 

Ich selbst habe mit 11 AbiturientInnen gearbeitet, es waren 6 Mädchen und 5 Jungens. Die meisten  Ingenieure oder Ärzte werden. Das waren aber für ihr Niveau unerreichbare Ziele. Nun habe ich sie soweit, dass sie gerne nach Cochabamba in die Krankenpflegerschule bei Ordenschwestern gehen, oder auch zu den Salesianern in eine sehr gute Berufsschule, wo sie drei Jahre ausgebildet werden und anschliessend Arbeit finden. Die Jugendlichen haben den Religionsunterricht versorgt in den 10 wichtigen Schulzentren der Pfarrei Titicachi und dreimal haben wir je 35 SchülerInnen im Alter von ca. 12 Jahren zur Erstkommunion führen können.

 

Ich bin selbst in den Kommunionunterricht in die Schule nach Mollo gegangen. Ich habe oft den Unterricht mit den beiden ersten Klassen der Segundarstufe gehalten  und habe die Mehrzahl der Schüler zur Erstkommunion geführt.   Wenn ich nun in Mollo am Donnerstagnachmittag Schüler-Messe halte, dann sind vor allem die Mädchen sehr ernsthaft mit dabei, singen, beten, und kommen gerne zur Kommunion. Und an der Firmung haben aus Mollo doch immerhin 5 Mädchen teilgenommen. So kann ich meine Schäfchen ein Stück Weges begleiten.

 

In Titicachi und Luquisani haben die Pfingstkirchen zugenommen, einige Jugendliche gehen gerne hin, denn dort wird getanzt und es ist viel Emotion im Spiel. Ich bin aber im Gespräch mit den Pastoren und  die „cristianos evangelicos“, so nennen sie sich, nehmen eh alle Dienste der Pfarrei in Anspruch.

 

Mir  gelingen nach wie vor die Messen mit dem Colegio Uripampa und in Mollo mit dem dortigen Colegio - meist einmal pro Woche. Die Guitarre und die klare Stimme hilft mir nach wie vor dabei. Ohne klangvolle Lieder  keine Jugendmesse.  Dabei kann ich Werte und Gottes Worte  an die Jugendlichen bringen, und kann - abgesehen von einigen Störenfrieden-, vor voller Kirche zelebrieren. Auch die Lehrer sind ja jung und hören zu.

 

Die Studenten in La Paz und Cochabamba sind gut unterwegs. Über 10 Studenten werden zu Jahresbeginn aufhören, und werden auf Arbeitssuche gehen. Es kommen aber wieder 12 neue Jugendliche ins Studium, was für mich immer auch eine Aufgabe ist, abgesehen von den monatlichen Kosten für so viele Studenten. ZZt ist auch Rebeca Laura, Medzinstudentin in Kuba bei uns, sie hat das Physikum bestanden und ist hier in Titicachi bei ihrer Mutter und Geschwistern auf Heimaturlaub. Anfangs  Februar fliegt sie dorthin zurück. Im November war die Colation von Esteban Quispe (dh sein offizieller Abschied von der Universität UMSA La Paz), er hat dort 6 Jahre lang Kunst studiert. Im Anschluss hier eine Wandmalerei, die nun das Telecentro des Colegio Uripampa schmückt.

 

Der November war gefüllt mit der Vorbereitung auf die Firmung, es freut mich das aus verschiedenen Gruppen Jugendliche mitmachten. Es waren 47 Jugendliche und Erwachsene (darunter zwei Lehrerinnen vom Altiplano), die am Freitag dem 21 November beim Schnellbesuch des Weihbischofs die Firmung erhalten haben.

 

Wir führen das  Misereor-Proyekt BUEN VIVIR weiter, und sind dabei mit  Gruppen aus mehreren Dörfern   solidarisch, die unten am Fluss in der warmen Klimazone alternative Gärten anbauen, die nur durch Bewässerung möglich sind. Severo Vega ist verantwortlich für dieses Projekt und lernt sehr viel hinzu. Vor ein paar Jahren war er noch einer unserer Studenten.

 

Und Radio Norte? Er lief sehr gut das ganze Jahr über. Zu Ostern hatten wir Besuch vom Domkapitular Christoph Warmuth, der denn auch den Sender und seine Leistung anerkannte und auch für weitere drei Jahre die Unterstützung der Diözese Würzburg für Radio Norte zusagte. 

Allerdings muss ich jetzt von der Familie, die den Radio betreut, erfahren, dass nach der Geburt des vierten Kindes – die im Dezember stattfinden wird, ein Wechsel an Arbeit und Wohnung geplant ist und somit zum Jahresende gekündigt wird. Schade!! Wir waren 4 lange Jahre gut miteinander unterwegs, ich lasse Juan Carlos und seine Frau Elizabeht ungern ziehen. Und hoffe demnächst einen kompetenten Leiter des Radio- Senders zu finden.

 

Ich konnte im Oktober nach Mexico reisen, und war auf einem Treffen der Brüder jenes Landes.

Gut dass ich in meiner Abwesenheit mit unserem Diakon Jose Morales, rechnen kann, er feiert Wortgottesdienst,  predigt auf Quechua und dem Vernehmen nach macht er seine Sache gut. Vielleicht hört man ihm besser zu als mir, denn er spricht quechua perfekt, es ist ja seine Muttersprache. 

Das Treffen mit den Brüdern in Mexico hat mir wieder einmal Austausch und Gemeinschaftsleben beschert. Mit manchen Brüdern habe ich mich vor 10 Jahren zum letzten Mal gesehen. Einen  Bruder,  der in  Habana  (Kuba) lebt, habe ich jetzt erst kennengelernt. Er ist Kl Bruder von Jesus, also die ursprüngliche Gemeinschaft, die von Rene Voillaume gegründet wurde. Beide Gemeinschaften, die vom Evangelium und die von Jesus sind nun eine Federation eingegangen, das heisst, sie können gemeinsame Aufgaben anpacken, gemeinsame  Bruderschaften gründen, und gemeinsam Postulat, Noviziat und Studium durchführen. Wir sehr wenige geworden sind, und die meisten Brüder dort in Mexico sind auch über 50 oder 60. Ich habe auch einige Tage in Mexico City in der Nähe der Basilika der Guadalupe verbracht,  habe  öfters den Wallfahrtsort besucht und habe mich mittragen lassen von der Marienfrömmigkeit, die das mexikanische Volk so sehr geprägt hat. Es war aber zur Zeit als die 43 Jugendliche verschleppt wurden, mittlerweile als vermisst und tot  anzusehen sind, und so erlebte ich auch die dunkle Seite dieses Landes. Ganz abgesehen davon,  dass weltweit die Gewalt zugenommen hat. Ein Mädchen – Genoveva Villalba – aus Ticamuri – gleich neben Titicachi, hat die definitiven Gelübde bei den Guadalupeschwestern am 10 August in Mexico gemacht. Sie ist glücklich in ihrer Berufung und arbeitet zZeit als Lehrerin einer 2. Grundschulklasse im Norden des Landes. Bei Unserer Lieben Frau von  Guadalupe habe ich an die gedacht, mit denen ich hier unterwegs bin, aber auch an euch, die ihr unsere Arbeit viele Jahre hindurch schon, von Deutschland aus, unterstützt.

 

Euch sage ich von Herzen „Vergelts Gott“, und  ich wünsche Frieden, Gesundheit , und Gottes Segen, auch den Segen Maria von Guadalupe, dazu eine Frohe Weihnacht im Kreis der Familie und ein Gutes Neues Jahr 2015

 

Titicachi,  1 Dezember 2014

 

Euer   Max Wolfgang Schiller

Aktuelles

Nach einer halben Ewigkeit ist nun die deutsche Übersetzung des Jahresbriefs der Casa Campesina online!

 

Zudem als ein kleines Extra habe ich auch den Jahresrundbrief von Padre Max veröffentlicht.

 

Viel Spaß beim Lesen!

 

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