Franziska in Bolivien
Franziska in Bolivien

Besuch aus Deutschland

Nun haben wir unseren Besuch aus Deutschland abgeholt: Christiane (unsere Organisatorin), Christoph Warmuth (Domkapitular aus Wuerzburg) und Lothar (Radioexperte). Sie wohnen beim Erzbischof und besuchen deutsche Missionare in der Gegend. Wir sind ihr letzter Stopp auf der Suedamerika-Reise. Wir haben sehr viel mit Christiane geredet und die letzte -eher schwierige- Zeit besprochen. Das hat sehr gut getan und geholfen, den ganzen Stress zu beseitigen. Am Samstag fahren wir gemeinsam nach Titicatchi und zeigen ihnen unsere neuen Projektstellen. Lothar moechte mit uns auch ein Interview fuehren. Ich werde Ihnen dann Ort und Stelle mitteilen. ;)

Ansonsten kehrt langsam Ruhe ein und Becci und ich tun unser Bestes, dass wir wieder gesund werden!

Carneval

Fasching, in Deutschland ist dies ein großes Fest hauptsächlich für die Jugend. Abends geht man auf die verschiedenen Partys und tagsüber geht man auf Umzüge. Dieses Jahr war das für mich alles ein wenig anders.
Freitag, der letzte Schultag auch hier in Bolivien vor den Ferien, war ein wenig „gefährlich“ für die Lehrer. Denn hier ist es eine Tradition, dass Fasching eigentlich eine rießengroße Wasserschlacht ist. So durften die Schüler am letzten Tag ab 15.oo Uhr ihre Lehrer und Direktoren klatschnass machen. Ein Glück hatten sie noch ein wenig Respekt vor mir, da ich den ersten Tag an der Schule war. Aber am Direktor war glaube ich kein Stück mehr trocken.
Auch zu Hause bei der Franzie gab es eine Wasserschlacht. Die Ärzte vom Centro de Salud von nebenan haben genauso mitgemacht wie unsere Kinder. Leider mussten da die Patienten warten, bis die Ärzte fertig gespielt haben. Aber gestört hat das keinen. Danach konnte man seine Klamotten auswringen, es war wirklich witzig!
Sonntag frühs haben wir Masken gebastelt und angemalt, damit wir nachmittags am Umzug teilnehmen können. Dann zogen wir eine Tracht der Quechua-Indios an und unsere Masken. Auf der Plaza hat die Musikkapelle gespielt und alle haben getanzt. Das komplette Dorf saß auf der Plaza und hat Fasching genossen. Die Kinder haben sich mit Wasserbomben beworfen und alle hatten Spaß. Irgendwann haben alle getanzt und sind um die Plaza herum.
Dies ging bis Dienstag Abend und man musste staendig auf der Hut sein. Fasching ist hier ein Fest der Familie und Freunde. Somit haben wir die Tage alle gemeinsam verbracht. Mich hat leider eine Erkaeltung-Grippe aufgrund des Stress erwischt, aber Fasching habe ich mir nicht entgehen lassen. ;)
Mittwochs gab es dann die Aschermitwochs-Messe und danach haben wir uns auf den Weg nach La Paz gemacht.
Fasching war anders als sonst, aber es war wunderschoen! Wir wurden gleich sehr herzlich im Dorf aufgenommen und dass wir mit um die Plaza tanzen durften, ist eine grosse Ehre!

Projektwechsel

Nach all den Problemen mit den Eltern und Lehrern in Achacachi, die eine richtige Revolution starteten, suchten wir Abstand zu diesem Ort. Padre Max, der glücklicherweise nahe in der Gegend war, holte uns ab und brachte uns nach La Paz. Dort warteten wir dringend auf den Anruf von unseren Schwestern, damit wir wissen was die Generaloberin in Mexiko zu der Situation sagt und wie es weitergehen wird.
Am Montagmorgen hörten wir im Radio ein Interview mit dem Chef der Junta (Elternbeirat). Darin wurde gesagt, dass unsere Schule geschlossen sei und der neu-gewählte Direktor der Lehrer vom Bischof ausgeschlossen wurde. Wir versuchten unsere Schwestern anzurufen, aber erreichten keinen.
Am Dienstagmorgen bekamen wir den Anruf vom Padre, der uns mitteilte, die Schwestern seien alle nach Mexiko geflogen. Sie hatten aus Sicherheitsgründen niemandem Bescheid gesagt und durch eine Mitschwester in Cochabamba die Schlüssel und das restliche Geld dem Bischof überbringen lassen. Diese Nachricht war für uns alle natürlich ein Schock.
Nun wollten wir schnellstmöglich unsere restlichen Sachen aus dem Haus holen. Das Problem war, dass die Indios vor Ort eventuell das Haus belagern und niemanden hinein lassen, weil sie es nach der „Flucht“ der Schwestern als Eigentum der kompletten Stadt Achacachi sehen. Sie könnten Angst haben, dass wir nicht nur unser eigenes Hab und Gut hinausholen, sondern auch noch allgemeine Dinge wie Töpfe, Vorhänge und Co. Die Sorge war nun, dass wir trotz Schlüssel vielleicht nicht hinein dürfen.
Wir fuhren sofort nach Achacachi mit Padre Max, Juan (als männlicher Einheimischer) und Gladys (spricht perfekt Aymara), mit der Hoffnung keinen vor dem Haus vorzufinden. Dort angekommen, hatten wir wirklich Glück - die Haustüre war frei! So räumten Becci und ich innerhalb 30min. unser komplettes Zimmer aus und stopften alles in unsere Taschen. Die Schwestern hatten uns einen Abschiedsbrief und Schokolade hinterlassen, indem sie sich entschuldigten für ihr Gehen ohne ein Wort. Als Grund nannten sie das Verbot der Generaloberin aus Sicherheitsgründen und wünschten uns eine gute Zeit bis zu einem Wiedersehen.
Mittwochs fuhren wir mit Padre Max los und erlebten eine rießige Demonstration in La Paz. Ganz El Alto lief ins Zentrum aufgrund der Arbeit. Auf dem Weg nach Titicatchi bekamen wir eine Brunst-Show der Klasse 1a von Vicunas abgeliefert und besuchten italienische Entwicklungshelfer in Escoma.
In Titicatchi abends angekommen, überraschten wir Franzie. Sie fiel fast vom Stuhl, als wir ihr erklärten, dass wir nun projektlos sind und erst mal hier blieben.
Das kommende Wochenende verbrachten Becci, Franzie und ich in Tarisquia, im Haus von Mayte, zum Entspannen und ein wenig Stress abbauen. Diese drei Tage waren wirklich notwendig. Wir machten nichts, außer Schlafen, Lesen, Tagebuch Schreiben, Kochen und die ruhige Zeit genießen.
Die Woche darauf trafen wir uns öfters mit Padre Max um über mögliche neue Projektstellen zu reden. Da kam einiges in Frage, wie Tarisquia, Santa Cruz oder Cochabamba. Doch letztendlich war uns ein Anliegen hier oben in den Anden zu bleiben, zu Zweit zusammen zu bleiben, eine feste Stelle zu haben und nicht der Franzie auf der Pelle zu sitzen.
Nun haben wir die perfekte Lösung gefunden: Becci arbeitet in Titicatchi im Colegio als Musiklehrerin und ich als Englischlehrerin in einem Colegio im neben-Dorf Luquisani. Wohnen werden wir bei Mayte. Wir sind nun wirklich erleichtert und glücklich, dass all dieses Chaos ein positives Ende hat.

Das Glück und die gute Wendung in der Krise!

Wir hoffen nun, dass Christiane, unsere deutsche Koordinatorin, zu der Lösung zustimmt und wir nun mit neuer Energie, Kraft und Motivation in die Aufgaben starten können.
Sie holen wir gerade mit dem Domkapitular Christoph Warmuth und einem Radioexperte Lothar in La Paz ab und zeigen ihnen Titicatchi. Ich freue mich, dass wir uns mit ihr austauschen können und hoffe auf ihre Zustimmung!
Machen Sie sich also keine Sorgen, das ganze Chaos ist vorbei und wir sind hier bei Padre Max sehr gut aufgehoben!
:)


P.S. In Titicatchi gibt es nur sehr schlecht Handy- oder Internetempfang. Ich werde mich nun Blog-mäßig sehr sehr selten melden können. Manchmal werden meine Eltern einen kurzen Beitrag schreiben, wenn ich Kontakt zu ihnen hatte, damit Sie auf dem Laufenden bleiben. Doch ich werde mich ausführlich nur in La Paz melden können (8-14 Stunden Fahrt von Titicatchi).

Aktuelles

Nach einer halben Ewigkeit ist nun die deutsche Übersetzung des Jahresbriefs der Casa Campesina online!

 

Zudem als ein kleines Extra habe ich auch den Jahresrundbrief von Padre Max veröffentlicht.

 

Viel Spaß beim Lesen!

 

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© Franziska Beck